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Trumps Zollpolitik als Risiko für die Weltwirtschaft

Salman Ahmed

Salman Ahmed - Global Head of Macro and Strategic Asset Allocation

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Die neuen US-Zölle läuten das Ende der Globalisierung ein. Ihr Ausmaß wurde an den Märkten unterschätzt. Daraus könnten sich erhebliche Risiken für das weltweite Wachstum ergeben.

Präsident Trumps Zollankündigung vom 2. April, dem selbsternannten „Liberation Day“, fiel deutlich heftiger aus als am Markt erwartet. Neben einem allgemeinen Mindestzollsatz von zehn Prozent sieht die Regierung deutlich höhere Zölle auf Importe aus fast allen wichtigen Handelspartnerländern vor – angeblich als Reaktion auf deren eigene Handelsbarrieren. Laut Berechnungen von Fidelity steigt der durchschnittliche US-Zollsatz damit auf rund 24 Prozent. Ein solches Niveau gab es zuletzt Anfang des 20. Jahrhunderts. Sollte Trumps Vorhaben vollständig umgesetzt werden, wäre es ein schwerer Schlag für den Welthandel und ein ernstes Risiko für das globale Wachstum.

Die neuen Zölle liegen bei den meisten großen Handelspartnern nahe an oder über der absoluten Höchstgrenze, welche an den Märkten antizipiert wurde. China und große Teile der asiatischen Lieferkette sind von dem Schock stark betroffen. Durch staatliche Ausgaben und Geldpolitik kann die Volksrepublik die Folgen nur begrenzt abmildern. Europa ist dagegen besser aufgestellt, da dort Geld- und auch Finanzpolitik etwas mehr Spielraum lassen.

Außerdem hat Finanzminister Scott Bessent angedeutet, dass die Zölle wahrscheinlich eine Obergrenze darstellen. Möglicherweise könnten sie in Verhandlungen noch gesenkt werden. Dennoch bleibt die Unsicherheit über die endgültigen Tarife und den Verlauf der Gespräche bestehen. Das belastet das Vertrauen der Investorinnen und Investoren, schwächt die Investitionsbereitschaft und trübt den Ausblick für den Konsum weltweit. Die Risiken für die globale Konjunktur nehmen dadurch weiter zu.

Stagflation als Basisszenario

Schon vor dem „Liberation Day“ war unser Ausblick für 2025 pessimistischer als der Marktkonsens und die meisten anderen Prognosen. Bereits im Februar hatten wir darauf hingewiesen, dass ein stagflationsähnliches Szenario für die US-Wirtschaft ein ernstzunehmendes Abwärtsrisiko darstellt. Anfang März haben wir diese Entwicklung zu unserem Basisszenario erklärt – mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Das Risiko einer zyklischen Rezession schätzen wir derzeit dagegen auf 40 Prozent.

Der Umfang und die Reichweite der neu angekündigten Zölle bestätigen unsere pessimistische Einschätzung. Sollten diese Zollsätze dauerhaft bestehen bleiben, rechnen wir damit, dass die Inflation in den USA bis zum Sommer auf 3,5 Prozent steigt und sich im weiteren Jahresverlauf auf diesem Niveau hält.

Beim Wachstum gilt: Wenn sich der effektive Zolltarif bei etwa 20 Prozent einpendelt, dürfte die US-Wirtschaft knapp an einer Rezession vorbeischrammen, aber einen tiefgreifenden stagflationären Schock erleiden. Sollte der Zolltarif sogar darüber hinausgehen, ist eine zyklische Rezession sehr wahrscheinlich.

Warten auf Gegenreaktionen

Entscheidend ist nun, welche Abkommen andere Länder mit den USA schließen, ob sie mit Gegenzöllen reagieren und ob die US-Regierung bereit ist, bei den Zollerhöhungen zurückzurudern. Sollten große Handelsblöcke wie China und die EU mit Gegenmaßnahmen reagieren, würde das das US-Wachstum stärker belasten. Gleichzeitig könnten dadurch aber einige der inflationären Effekte insgesamt abgeschwächt werden. Falls die US-Regierung hingegen langwierige Verhandlungen mit Ländern und Branchen beginnt, die Ausnahmen von bestimmten Zöllen fordern – mit teils aufgeschobenen, teils in Kraft gesetzten Maßnahmen – könnte die Inflation schwächer ausfallen als erwartet. Die Unsicherheit bliebe jedoch hoch, was die negativen Effekte auf das Wachstum trotzdem aufrechterhalten würde.

Ein positiveres Szenario ist aber nach wie vor denkbar: ein umfassendes Zurückrudern der Trump-Regierung. Marktakteure hatten im Vorfeld kaum noch auf Vorabmeldungen reagiert. Viele hielten sich an die Devise, man müsse die Trump-Regierung „ernst nehmen, aber nicht wörtlich“. Das stellte sich im Nachhinein als Fehler heraus. Ob die Regierung von der Reaktion an den Märkten überrascht wird? Das bleibt abzuwarten.

Notenbanken unter Zugzwang

Zusammengefasst rechnen wir 2025 mit einem US-Wachstum von einem Prozent oder weniger. Gleichzeitig dürfte die Inflation bei drei Prozent oder darüber liegen und das über weite Teile des Jahres. Die Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation bringt die US-Notenbank in eine schwierige Situation. Die Fed kann die Zinsen nicht frühzeitig senken, da die Inflationsrisiken zu groß sind. Falls die Währungshüter in diesem Jahr doch ihre Zinsen senken sollten, dann wohl erst, wenn die Rezession bereits da ist – und die Fed nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann. 

Außerhalb der USA bestätigt sich unser Basisszenario. Die Europäische Zentralbank wird die Zinsen wohl stärker senken, als am Markt erwartet. Ziel wird es sein, das Wachstum zu stützen. Japans gerade erst frisch gestarteter Zinserhöhungszyklus könnte schneller vorbei sein, als er begonnen hat.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: April 2025. MK16913