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Ausblick 2. Quartal 2025: Neuordnung an den Märkten durch US-Zollstress

Fidelity

Fidelity - Expertenbeitrag

Die Handelspolitik der USA zwingt Investorinnen und Investoren zur Neuorientierung: Europa setzt auf die fiskalische Wende, China stärkt den Binnenmarkt und Asien rückt weiter in den Anlagefokus. Die regionalen Unterschiede wachsen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Führende Volkswirtschaften sind trotz einiger Turbulenzen im Verlauf des ersten Quartals in einer stärkeren Position als zu Jahresbeginn.
  • Trumps Handelspolitik drückt auf die Stimmung in den USA, die dennoch ein Qualitätsmarkt bleiben.
  • Europa reagiert mit neuen Schulden, doch strukturelle Schwächen mahnen zur Vorsicht. 
  • China zeigt Stärke im Technologiebereich und fördert zudem den Privatsektor.
  • Asien könnte dank moderater Inflation und soliden Wachstums stärker in den Fokus rücken.

Hinweis: Dieser Text wurde vor dem 2. April 2025 verfasst. Einige Aussagen zur Handelspolitik der USA und zu deren regionalen Auswirkungen basieren daher auf dem damaligen Kenntnisstand und spiegeln nicht die inzwischen erfolgten umfassenderen Maßnahmen wider.

Die ersten Monate der zweiten Amtszeit von Donald Trump haben die Lage an den globalen Märkten verändert und erfordern eine regionale Neuausrichtung. Nach anfänglichem Optimismus über die politische Agenda des Weißen Hauses zeigen sich Investorinnen und Investoren nun zunehmend verunsichert. Vor allem die konfrontative Zoll- und Handelspolitik des US-Präsidenten wirkt abschreckend. Mit dem 2. April, den Donald Trump zum sogenannten „Liberation Day“ ausrief und zur Ankündigung weltweit massiv höherer Zölle nutzte, hat sich die US-Zollpolitik deutlich verschärft und auf viele weitere Länder ausgeweitet. Bereits vor der Eskalation am „Liberation Day“ hatten zwei Hauptzielregionen spürbar auf die handelspolitischen Maßnahmen der US-Regierung reagiert: Europa setzt verstärkt auf fiskalische Impulse, während China den Binnenkonsum gezielt stärkt, um die Belastungen durch Handelsbarrieren abzufedern.

Die Sorge vor negativen Auswirkungen von Zöllen ist in Nordamerika, Lateinamerika und Europa insgesamt stärker ausgeprägt als in Asien. Je weiter man nach Osten blickt, desto geringer schätzen die Fidelity Analystinnen und Analysten die direkten Auswirkungen auf die Unternehmensprofitabilität ein. Die US-Zölle scheinen vor allem dort zu wirken, wo sie unmittelbar greifen – also in erster Linie in den USA selbst und in den direkt angrenzenden Regionen. Nach dem „Liberation Day“ dürfte sich dieses Bild insbesondere in Teilen Asiens aber teilweise verschoben haben.

Nach einem holprigen Start ins Jahr 2025 betrachten wir das zweite Quartal daher vor allem unter dem Aspekt dieser regionalen Unterschiede.

USA: Zwischen Unsicherheit und Qualität

Rund um die US-Märkte sind Risiken spürbar. Zwei mögliche Szenarien stehen im Vordergrund: Das eine wäre eine Reflation, also ein politisch getriebenes Wachstum durch fiskalische Impulse wie Steuersenkungen oder Investitionsprogramme. Das andere Szenario wäre eine Stagflation, also eine gefährliche Kombination aus schwachem Wachstum und hoher Inflation, ausgelöst vor allem durch Zölle und eine restriktive Einwanderungspolitik.

Die wachsende Unsicherheit spiegelt sich zunehmend in den Kursen wider. Im März kam es zu einer Korrektur, die die US-Aktien deutlich unter ihre Allzeithochs zurückfallen ließ. Auch das Verbrauchervertrauen ist gesunken. Ein Fidelity Analyst spricht von einer deutlichen Stimmungseintrübung aufgrund von Sorgen über Zölle, Inflation und der nachlassenden Konsumdynamik.

Es ist wichtig, dabei das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren. Denn hinter vielen der aktuellen Entwicklungen, die sich in kurzer Zeit abgespielt haben, steckt ein klares Ziel: Trump will die Handelsbilanz der USA aufbessern und Produktion in die USA zurückverlagern. Gelingt dies, könnten US-Aktien langfristig davon profitieren.

Trotz der jüngsten Kursverluste enthält der US-Leitaktienindex S&P 500 nach wie vor eine Vielzahl an Qualitätsunternehmen, die gegenüber Zöllen vergleichsweise robust aufgestellt sind. Diese Titel sollten in einem ausgewogenen Portfolio ihren Platz behalten. Die US-Wirtschaft hat sich bislang insgesamt als widerstandsfähig erwiesen, auch wenn die Frühindikatoren eine Abschwächung signalisieren. Die Bilanzen von Unternehmen und Haushalten sind stabil, was für weiterhin solide Gewinnmargen spricht. Zusätzliche Impulse könnten von möglichen Steuersenkungen und Deregulierungen ausgehen.

Das laufende Jahr und die Präsidentschaft Trumps sind erst drei Monate alt. Eine Stabilisierung erscheint wahrscheinlich. Die Vergangenheit zeigt zudem: Wer sich gegen den S&P stellt, geht ein hohes Risiko ein.

Europa: Eine neue Vision für den alten Kontinent  

Die Unsicherheit in den USA hat Investorinnen und Investoren nach Alternativen suchen lassen. Zum ersten Mal seit Langem richtet sich der Blick wieder verstärkt auf Europa. Das liegt vor allem an der europäischen Reaktion auf den amerikanischen Isolationismus. Angeführt von Deutschland hat die Region die fiskalischen Schleusen geöffnet und will massiv in Verteidigung und die Infrastruktur investieren. Damit wird eine haushaltspolitische Wende vollzogen, die zuvor politisch nicht durchsetzbar war. 

In den kommenden Jahren könnte sich dieser Moment als ein Wendepunkt erweisen, der eine lange ausgebliebene Phase europäischen Wachstums einleiten könnte. An den Märkten ist diese Perspektive jedenfalls bereits eingepreist. Im Fokus stehen insbesondere Rüstungs- und Industrieunternehmen, die direkt von den fiskalischen Impulsen profitieren.

Noch ist unklar, ob und wie sich die neuen Ausgaben über diese Sektoren hinaus in einem breiteren Gewinnwachstum niederschlagen werden. Gleichzeitig bleiben die bekannten demografischen und technologischen Herausforderungen bestehen, die Europas Wachstum seit vielen Jahren bremsen. Zwar bemühen sich die politischen Entscheidungsträger, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, doch lassen greifbare Fortschritte auf sich warten. Auch die Risiken, die von der US-Handelspolitik ausgehen, sind nicht vom Tisch. 

Kurzfristig könnte sich die verbesserte Stimmung als selbsterfüllende Prophezeiung erweisen. Ein auf europäische Industrieunternehmen spezialisierter Analyst spricht von leichtem Rückenwind für die Fundamentaldaten – aber einem deutlich stärkeren Effekt auf das Sentiment und die Bewertungen. Derart positive Einschätzungen zu Europa gab es schon lange nicht mehr.

China: Stärkerer Binnenmarkt und mehr Technologie

Die Trump-Regierung hat zusätzliche Zölle von 20 Prozent auf chinesische Importe verhängt. Damit erhöht sie die handelspolitischen Hürden deutlich schneller als in Trumps erster Amtszeit. Unter Fidelity Analystinnen und Analysten ist dennoch keine Besorgnis zu spüren: Nur rund ein Viertel der China-Expertinnen und -Experten erwartet negative Auswirkungen auf die Profitabilität der von ihnen analysierten Unternehmen. Zum Vergleich: Unter den auf die USA fokussierten Kolleginnen und Kollegen sehen fast drei Viertel dunkle Wolken aufziehen.

Die relative Gelassenheit vieler Analystinnen und Analysten gegenüber den US-Zöllen hängt auch mit der wirtschaftspolitischen Reaktion Chinas zusammen: Die Regierung will gezielt die Binnennachfrage stärken, um mögliche Belastungen abzufedern. Ein auf chinesische Konsumwerte spezialisierter Analyst geht davon aus, dass höhere Zölle zusätzliche Konjunkturmaßnahmen nach sich ziehen würden – mit positiven Effekten für den gesamten Sektor.

Die Erhöhung des verfügbaren Einkommens und die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Ankurbelung des Binnenkonsums haben für die Regierung oberste Priorität. Die jüngsten Schritte in diese Richtung waren spürbar, wenn auch wenig spektakulär. Auf der Jahrestagung des Nationalen Volkskongresses im März hat China offiziell das Ziel für das Haushaltsdefizit von drei auf vier Prozent des BIP angehoben. Das reale BIP-Wachstumsziel liegt trotz des anhaltenden Drucks weiterhin bei fünf Prozent. Auch das ist ein Signal, dass die Regierung am Wachstumskurs festhält und weiteres Stimulus-Potenzial nutzen wird.

Zudem hat die Volksrepublik in diesem Jahr ihre technologischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Lange Zeit galt China als weit hinter den USA zurückliegend, doch der Erfolg des neuesten KI-Modells von DeepSeek – entwickelt zu deutlich geringeren Kosten als vergleichbare US-Projekte – hat dieses Bild ins Wanken gebracht. Laut Technologieanalyst Jonathan Tseng haben Zölle und Exportbeschränkungen chinesische Unternehmen gezwungen, effizienter zu arbeiten. Der Durchbruch von DeepSeek sei also nicht trotz, sondern gerade wegen der westlichen Sanktionen gelungen.

Die chinesische Regierung nutzt den jüngsten Innovationsschub und sucht aktiv den Schulterschluss mit privaten Tech-Unternehmen. Der Erfolg im KI-Bereich könnte die Produktivität insgesamt steigern und so die Gewinne breiter Teile der Wirtschaft erhöhen. China rückt damit auch wieder stärker in den Fokus internationaler Investorinnen und Investoren.


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Asien: Widerstandskraft unter neuen Vorzeichen

Die Inflation ist in den meisten asiatischen Volkswirtschaften moderat. Das verschafft den Zentralbanken Spielraum für eine wachstumsfreundliche Geldpolitik. Zinssenkungen könnten zwar zu leichten Währungsabwertungen führen, sollten aber zugleich die Exportchancen erhöhen. Dabei agieren die Notenbanken vorsichtig und mit Blick auf die US-Zinsentwicklung, um stabile Kapitalflüsse zu sichern. Eine Ausnahme bleibt Japan mit negativen Realzinsen. Die Bank of Japan hat im März keine Änderungen vorgenommen, könnte jedoch bei anhaltender Inflation weiter an der Zinsschraube drehen.

Gleichzeitig bleibt Asien insgesamt stark vom Welthandel abhängig: Acht der 15 Länder mit dem größten Handelsüberschuss mit den USA liegen in der Region. Neue Zölle werden die Gewinne vieler Exporteure zusätzlich belasten. Viele kämpfen ohnehin schon mit den Folgen der chinesischen Konjunkturschwäche.

Asien bleibt indes insgesamt widerstandsfähig. Südostasien profitierte in den vergangenen Jahren von der Verlagerung globaler Lieferketten, auch wenn dieser Trend durch neue handelspolitische Spannungen auf den Prüfstand gestellt werden dürfte.  Indien wiederum überzeugt mit einer robusten Konsumnachfrage und staatlichen Investitionen. Kapital floss verstärkt in nordasiatische Aktien sowie asiatische Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen. Inwiefern sich dieser Trend im zweiten Quartal fortsetzen kann, hängt auch von der weiteren Entwicklung der US-Handelspolitik ab.

Fazit

Die Auswirkungen der US-Handelspolitik sind regional sehr unterschiedlich. Während sich Europa vor dem Hintergrund von Donald Trumps Zolloffensive fiskalisch neu aufstellt und China seinen Binnenmarkt stärkt, könnte die Region Asien insgesamt für viele Anleger zum Ruhepol werden. Die USA kämpfen mit einer zunehmend fragmentierten Marktstimmung. Für Investorinnen und Investoren wird es entscheidend sein, politische Entwicklungen nicht isoliert zu betrachten, sondern stärker in den regionalen Kontext einzuordnen.

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Stand, soweit nicht anders angegeben: April 2025. MK16889